floriXCWyn.jpg (14509 Byte)

Die Frage nach dem Zweck unseres Tuns beschäftigt mich seit jeher; seit meine Kinder in dem Alter sind, wo sie von mir die Welt erklärt bekommen wollen, aber mehr denn je.

Nebst der reinen Faszination, welche Fahrräder und Technik allgemein schon immer auf mich ausübten, fand ich Fahrräder auch immer etwas Sinnvolles. Ich dachte, etwas plakativ gesagt, wenn alles Fahrrad wird, wird alles gut, weil ein Fahrrad ein Stück Technik ist, welches mit der Natur harmoniert.

Nun blicke ich auf eine 25-jährige Entwicklung in der Fahrradbranche zurück, die ich hautnah erlebt und mitgestaltet habe. Und diese 25 Jahre haben mir Einblicke gezeigt und Erkenntnisse gebracht, die mich zweifeln lassen, ob bei Fahrrädern wirklich etwas besser ist als bei anderen Konsumgütern. Die Radbranche war Vorreiter bei der Produktionsauslagerung in Billiglohnländer. Und in immer schneller werdendem Takt wird eine sinnlose „Innovation“ nach der anderen durch die Medien gejagt und den Konsumenten aufgedrängt. Ich bekomme das Gefühl nicht mehr los, dass es den meisten Anbietern in unserer Branche in erster Linie ums Verkaufen und nicht mehr ums Verbessern geht. Natürlich sieht das in anderen Branchen auch nicht besser aus. Aber gerade die Fahrradbranche hätte das Potential, die Dinge anders zu machen. Denn das Fahrrad ist eine der besten Erfindungen des Menschen überhaupt. Seine Einfachheit, die das Fahrrad zu einer solch genialen Sache macht, wird dadurch zerstört, als das es mit immer mehr Technik überfrachtet wird. Technik, die je länger je mehr Spezialwerkzeug erfordert und, noch schlimmer, je länger je mehr einen 220 Volt Netzanschluss braucht. Unabhängigkeit stelle ich mir anders vor, und um Unabhängigkeit geht es mir beim Radfahren.

Wozu also weitermachen? Drei Dinge treiben mich nach wie vor an. Das sind erstens meine Kunden. Ich sehe, dass es nach wie vor Menschen gibt, die das simple, schnelle, leichte, ehrliche, schöne und schnörkellose Fahrrad schätzen. Zweitens ist es mein Ehrgeiz und mein Hang zur Perfektion. Ich bin der Meinung, dass man das Fahrrad auch ohne hinzutun von elektronischen Bauteilen und anderen Spielereien noch verbessern kann. Und drittens ist es das Gefühl, welches ich habe, wenn ich auf dem Rad sitze. Nirgendwo sonst erlebe ich meine Umwelt derart intensiv, und nirgendwo sonst fühle ich mich so frei. Auch wenn ich eines Tages keine Räder mehr bauen sollte, das Radfahren würde ich nicht aufhören.