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Warum

1. Warum bekomme ich ein Wiesmann nur als Komplettrad und nicht als einzelnen Rahmen?

Zu viele Standards, zu viele Varianten, zu viele Schnittstellen: Um heute noch sicherstellen zu können, dass alle Komponenten sauber an den Rahmen passen und optimal miteinander harmonieren, muss man das Fahrrad von Anfang an als Ganzes denken, planen und bauen. Während der Bauzeit des Rahmens müssen alle Komponenten vorhanden sein, um deren Einbauschnittstellen fortwährend prüfen zu können. Zudem sind Neu- und Weiterentwicklungen wie z.B. der asymmetrische Hinterbau ohne direkten Einbezug der Komponenten gar nicht machbar. 

2. Warum ist die Auswahl an Modellen vergleichsweise gering?

Ich will nur Fahrräder auf dem von mir angestrebten Niveau bauen, wenn ich diese im täglichen Einsatz im wahrsten Sinne des Wortes "erfahre". Andere Radtypen, die ich bloss mit angelesenem Fachwissen verkaufen könnte, möchte ich nicht anbieten.

3. Warum ist die Auswahl an Komponenten vergleichsweise gering?

Zwei Gründe: 1. Die Auswahl an Komponenten in der Radbranche ist riesig, die Qualität leider häufig gering. Ich möchte nicht, dass Sie mit Material unterwegs sind, das sich nicht bewährt hat. 2. Es gibt sicher auch Komponenten, die gut sind und mir gar nicht bekannt. Ich bin daher auch ständig bemüht, meinen Wissens- und Erfahrungshorizont zu erweitern. Aber als Kleinbetrieb ist es unmöglich, den Markt in seiner ganzen Breite auch noch in seiner Tiefe zu durchdringen.

4. Warum bekomme ich keine Getriebebikes?

Rahmen für Getriebe, ob Pinon oder Rohloff, müssen komplett anders konstruiert werden als solche für Kettenschaltung. Als Hersteller bin ich zu klein, diese Gattung ebenfalls anzubieten, zudem widerspricht es meinen unter Punkt 2 erklärten Ansprüchen.

5. Warum bekomme ich keinen E-Bike-Antrieb?

Ich baue Fahrräder, keine Mofas.

6. Warum bekomme ich keine Di2?

Von nichts gibt es auf diesem Planeten so eindeutig zu viel wie vom Menschen geschaffene, energiefressende Gadgets. Bitte verschont wenigstens das Fahrrad damit. Elektrische Schaltungen sind schwerer, teurer, weniger haltbar, problematisch zu entsorgen und im Defektfall nicht behelfsmässig zu reparieren. Als Plus stehen lediglich Bedienkomfort (wobei ich persönlich daran gescheitert bin, eine Di2 mit dicken Handschuhen zu schalten) und für den mechanisch Unbegabten der Wegfall der Schaltzugwartung (dafür braucht er einen Stromanschluss und ein Ladegerät).  SRAM's E-Tap hat da schon ein paar Vorteile mehr zu bieten. Aber eben auch ein paar Nachteile mehr. So lange es also noch mechanische Alternativen gibt, bevorzuge ich diese.

7. Warum haben Wiesmann-Fahrräder asymmetrische Hinterbauten und Gabeln?

Im Prinzip müsste die Frage lauten: Weshalb haben fast alle anderen Fahrräder asymmetrisch gespeichte Laufräder? Ein symmetrisches Laufrad ist viel stabiler, haltbarer und weniger pannenanfällig als ein asymmetrisch gespeichtes, folglich kann es leichter gebaut werden. Die Idee, den Rahmen asymmetrisch und das Laufrad symmetrisch zu machen, hat also viele Vorteile (wenn man die Kostenfrage einmal ausser Acht lässt), erfordert aber ein Zusammendenken von Rahmen-, Laufrad- und Schaltungskonstruktion, weshalb sie in der Bikebranche bislang, ausser in Nischen, nicht umgesetzt wurde.

8. Warum keine Reparaturen an Rahmen fremder Hersteller?

Eigentlich finde ich es sinnvoll, Produkte zu reparieren und damit längere und nachhaltigere Lebenszyklen zu erreichen. Aber in einer Welt, in der immer mehr immer billiger produziert wird und kein Hersteller sich darum kümmert, was nach dem Verkauf seines Produktes geschieht, will ich meine begrenzte Zeit lieber meinen eigenen Kunden und anderen schönen Dingen widmen.

9. Warum Shimano-Komponenten?

Wie kommt einer auf die Idee, eine Firma zu propagieren, die gegensätzlicher zu seiner eigenen nicht sein könnte? Nun, die Antwort ist einfach: Shimano funktioniert. Das ist nicht bei allen Mitbewerbern selbstverständlich. Aber selbst da, wo es funktionierende Wettbewerbsprodukte gibt, funktioniert Shimano meistens einfach besser. Ausserdem sind die einzelnen Komponenten einer Gruppe optisch und technisch perfekt aufeinander abgestimmt, und auf Plastikteile wird noch relativ weitgehend verzichtet.

10. Warum baut Wiesmann nur Massanfertigungen?

Ein Fahrrad ist kein eigenständiges Fahrzeug, es funktioniert nur im Zusammenspiel zwischen Fahrer und Fahrrad. Und weil alle Menschen verschieden sind, müssen auch ihre Bikes verschieden sein. Wenn ich ein Rad baue, so ist es mein Bestreben, dieses optimal auf den Benutzer zuzuschneiden. Denn nur mit einem Velo, das den Körpermassen und dem Fahrstil des Fahrers entspricht, ist der Spass maximal. Auch nach mehr als zwei Stunden im Sattel. Auch nach mehr als zwei Jahren Benutzung.

Massanfertigung heisst für mich nicht bloss, Länge und Höhe des Rahmens dem Fahrer anzupassen. Indem man jeden Winkel, jedes Mass, jedes einzelne Rohr und Anlötteil auf den Kunden abstimmt, kann man maximale Stabilität und Fahrleistung bei minimalem Gewicht erreichen. Und das Schönste dabei ist, dass jeder Rahmen einmalig bleibt.

Es gibt für mich drei wichtige Kriterien beim Konstruieren eines Fahrrades:

1. Die Konstruktion muss dauerhaft sein. Dauerhafte Produkte sind auf lange Sicht günstiger und bereiten weniger Ärger.

2. Ein Fahrrad muss leicht und deshalb einfach sein. Eine einfache Konstruktion ist immer leichter als eine komplizierte bei gleicher Stabilität.

3. Das Bike soll optimale Fahrleistungen für den vorgesehenen Einsatzzweck bringen.

Weil diese Kriterien nur schwer miteinander zu vereinbaren sind, ist es nicht einfach, ihnen den richtigen Stellenwert zuzuordnen. Ich versuche, die optimale Abstimmung dadurch herauszufinden, dass ich meine Produkte jeden Tag selbst teste. Und ich kann dank der individuellen Anfertigung jedes Rahmens die Kriterien je nach Kundenwunsch unterschiedlich gewichten.