Material und Verarbeitung von Titan

Titanium ist sehr leicht, extrem zäh und absolut korrosionsbeständig. Eigentlich sind das die idealen Voraussetzungen für mechanische High-Tech-Applikationen. Weil aber die Verarbeitung dieses Edelmaterials äusserst aufwändig ist, findet es im zivilen Leben, mit Ausnahme der Medizin, kaum Anwendung. Es ist einfach zu teuer, die Vorteile gegenüber alternativen Materialien wie Stahl oder Aluminium sind ökonomisch nicht zu rechtfertigen. Aber wer bei einem Titanrad wirtschaftliche Betrachtungen anstellt, versteht nicht, worum es geht. Es ist nicht so wichtig, ob das Fahrrad nochmals 100 Gramm leichter wird (auch wenn das natürlich ein angenehmer Nebeneffekt bei der Verwendung von Titan ist). Vielmehr verkörpert Titan das, was der Mensch seit jeher anstrebt und kaum je erreicht: die Unvergänglichkeit. Titan korrodiert nicht, Titan zerkratzt kaum, Titan ermüdet kaum. Ein Titanrad ist zeitlos.
Wer ein Titanrad will, will Perfektion. Perfektion, die schon beim Rohstoff alles andere hinter sich lässt. Denn nur bei allergrösster Reinheit erreicht Titan seine hervorragenden Festigkeitswerte. Und nur wer diese Reinheit auch bei der Weiterverarbeitung beibehalten kann, stellt sicher, dass er nicht teuerste Rohmaterialien in wertlosen Schrott verwandelt. Wer Titan verarbeitet, darf keine Fehler machen.

Die Rohre, die ich für die Titanrahmen verwende, beziehe ich von verschiedenen Herstellern: Dedacciai, Reynolds, Ancotech, TiSports. Grundsätzlich ist die Auswahl bei Titan nicht so gross wie bei Stahl, aber es gibt dennoch viele Möglichkeiten. Durch eine geschickte Kombination der Rohre von den verschiedenen Herstellern lässt sich auch ein Titanrahmen bezüglich Gewicht, Steifigkeit und Haltbarkeit optimieren.

Titanrohre werden im Prinzip wie Stahlrohre geschweisst. Der einzige Unterschied ist, dass Titan viel sensibler auf Verunreinigung mit fremden Elementen reagiert. Deshalb wird um die Titanschweisstechnik ein ziemliches Aufsehen gemacht. Einige Hersteller schweissen die Rahmen in Zelten oder Kammern, sämtliche Marktführer im Titanbereich verwenden jedoch die einfachere Spülgastechnik, wie ich sie auch übernommen habe. Der Rahmen wird innen und aussen grosszügig mit Argon überspült, so dass der Schweisser maximale Bewegungsfreiheit geniesst und sich besser auf die Schweissnaht konzentrieren kann.

Die Gewinnung von Titan ist sehr energieaufwändig, der Rohstoff kann deshalb nicht als besonders umweltfreundlich angesehen werden. Da Titanrahmen aber äusserst langlebige Produkte sind und im Schadensfall auch relativ weitgehend repariert und am Ende ihrer Lebenszeit zu 100% rezykliert werden können, sieht die Umweltbilanz nicht zwingend besonders schlecht aus. Ein Vergleich zur Veranschaulichung: Eine Tankfüllung mit 70l Benzin beinhaltet mehr Energie, als im Rohstoff eines Titanrahmens steckt.

Ausserdem halte ich es bei Titan mit dem Spruch eines Ur-Titangurus aus den USA: "Je mehr wir von dem Zeugs für Fahrräder verwenden, desto weniger bleibt für die Waffenindustrie übrig".